Muscheln, Steine und Schnecken - Kuriose Währungen picture alliance
  • Christian Riedel

Muscheln, Steine und Schnecken - Kuriose Währungen

Das Geld liegt bekanntlich auf der Straße. Zumindest im übertragenen Sinne. Bei einigen Währungen der Geschichte, aber auch bei einigen aktuellen, muss man eigentlich nur die Augen offen halten und ist ein gemachter Mann. Muscheln, Steine oder Schneckenhäuser… hier finden Sie die kuriosesten Währungen der Geld-Geschichte.

Das Muschelgeld

 In vielen Küstenregionen in Afrika und Asien, aber auch bei einigen Indianerstämmen in Nordamerika, wurden Muscheln als Währung verwendet. Natürlich galt nicht jede Muschel am Strand als Währung. Ansonsten hätte sich so mancher fleißiger Muschelsammler eine goldene Nase verdienen können. Da die entsprechenden Muscheln sehr selten waren und die Herstellung der Muschelketten, die als Währung verwendet wurden, sehr schwierig war, war eine Inflation von der Natur aus reguliert. In der Regel sammelten die Frauen die Muscheln, während den Männern das Durchbohren und Auffädeln auf eine Schnur vorbehalten war. Auch heute noch kommen die Muschelketten zum Einsatz. Dann aber meistens bei rituellen Anlässen, wie beispielsweise dem Brautkauf.

Je nachdem, wo man sich befand, gab es unterschiedliche Interpretationen des Muschelgelds. So stellte in einigen Regionen nicht eine Muschel einen Geldwert dar. Es kam auf die Länge der Muschelkette an. Eine andere Version ist, dass jede Muschel einen Vertrag repräsentiert. Die Muschel wurde dann bei der Vertragserfüllung als Gegenwert dem Partner zurückgegeben. In einigen Gebieten wurden die Muscheln mit wertvollen Gegenständen gemeinsam auf Schnüre aufgezogen, die dann den jeweiligen Wert bestimmten.

20 Kilo Geld

Neben Muscheln wurden auch Schneckenhäuser als Währung verwendet. So nutzten einige Stämme in Westafrika das Haus der Achatschnecke, das geschliffen und poliert wurde, als Währung (Dongo-Währung). Die jeweiligen Ketten konnten bis zu 20kg schwer werden. Die Bewohner der Marshall-Inseln beispielsweise nutzten die Schalen von Gienmuscheln und Klappermuscheln. Diese Währung wird auch Aaht genannt.

Am weitesten verbreitet war das Kaurigeld, aus der Schale der Kaurimuschel, die vor allem auf den Malediven und in Thailand vorkommt. Mit dieser Währung konnte man in Afrika, Indien, Afghanistan, Südostasien, China und in Melanesien Handel treiben. Um die Menge und damit auch den Wert der Muscheln zu bestimmen, gab es in einigen Regionen sogar entsprechende Hohlmaße. Dabei hatte jede Muschel den gleichen Wert, egal wie groß sie war.

Je weiter man dabei ins Landesinnere vorstieß, desto höher wurde der Wert des Kaurigelds. Dabei überdauerte das Kaurigeld, das noch vor Metallmünzen verwendet wurde, die Jahrhunderte. In einigen Gebieten in Südasien wurde das Kaurigeld erst im 19. Jahrhundert abgeschafft, in Westafrika sogar erst zu Beginn des 20. Jahrhunderts.

Tonnenweise Geld

 Steine gibt es überall. Daher ist es auf den ersten Blick nicht wirklich sinnvoll, diese als Zahlungsmittel zu verwenden. Dennoch haben es einige Völker getan. Besonders hervorgetan haben sich hier die Stämme der Yap-Inseln in Mikronesien. Sie haben Steine genommen, die bis zu vier Meter hoch waren und mehrere Tonnen wogen. Alleine das und der Umstand, dass die entsprechenden Steine nicht auf den Inseln vorkamen, machte den Transport so teuer und schwierig, dass sich nicht jeder die Steine leisten konnte. Meistens wurden die Steine auch gar nicht mehr bewegt. Man ließ sie nach einem Handel einfach stehen. Wem der Stein bzw. das Geld dann gehört, musste man sich merken. Das hat den Vorteil, dass die Steine auch nicht gestohlen werden können. Die Steinwährung oder auch „Rai“ wurde erst 1931 eingestellt. Aber auch heute werden die Steine aus Tradition bei einigen Geschäften gehandelt.

Andere Währungen

Wo immer ein Wirtschaftsgut von Bedeutung war, wurde es in der frühen Wirtschafts-Geschichte als Zahlungsmittel verwendet. Dabei ist nicht jedes Gut als Primitivwährung geeignet. Dinge wie Vieh, das gepflegt werden muss und daher mit weiteren Kosten verbunden ist, kann nicht als Währung verstanden werden. Auch verderbliche Waren sind nicht als Zahlungsmittel geeignet.

Angefangen mit Knochen, Federn oder Zähnen beispielsweise auf den Philippinen, den Fidschi- und Salomon-Inseln hatte jede Region sein eigenes Zahlungsmittel. In Äthiopien und Eritrea beispielsweise wurde Salz zu Barren gepresst und als Zahlungsmittel verwendet. Ein ausgefeiltes Währungssystem hatten die Azteken, bei denen mit Kakaobohnen gehandelt wurde. So kostete ein Sklave beispielsweise 100 Bohnen, während man einen Kürbis für vier Kakaobohnen bekam. Allerdings wurde auch schon zu dieser Zeit Geld gefälscht. So ließen findige Azteken normale Bohnen im Wasser aufquellen, bis sie die Größe der Kakaobohnen hatten und färbten sie, bis sie von einer Kakaobohne kaum noch zu unterscheiden waren. Beim Kauf von 4 Sklaven fielen 20 falsche Bohnen so kaum auf.

Tee, Erbsen und sogar Stoff wurde als Währung verwendet. Das Stoffgeld, das von einem Stamm in Zaire verwendet wurde und ca. 45 x 35cm groß war, hatte aber nur einen Wert, wenn es von schwangeren Frauen gewoben wurde.

Das Geld liegt also schon auf der Straße. Man muss nur wissen, wo man hinsehen muss.

Dieser Beitrag stammt von und dem business & more-Team