Krank vor Langeweile – das Boreout-Syndrom istockphoto.com/Maridav
  • Christian Riedel

Krank vor Langeweile – das Boreout-Syndrom

Alle reden vom Burnout-Syndrom. Doch das Gegenteil vom Burnout ist nicht weniger schlimm. Beim so genannten Boreout sorgt Langeweile am Arbeitsplatz für Frust und Depressionen. Hier erfahren Sie, worum es sich beim Boreout genau handelt und was Sie dagegen tun können.

Zwei Stunden arbeiten, Geld verdienen und den Rest der Arbeitszeit gemütlich am Rechner sitzen und die Zeit auf Ebay, Facebook oder mit Online-Spielen verbringen. Für die meisten hört sich das wie der absolute Traumjob an. Für ein paar Tage, Wochen oder sogar Monate mag das vielleicht auch der Fall sein. Doch langfristig stellt sich Langeweile ein. Und diese Langeweile kann der Psyche noch mehr zu schaffen machen als das gefürchtete Burnout-Syndrom.

Krank werden durch Langeweile wird auch Boreout-Syndrom genannt (engl. boredom = Langeweile). Im Idealfall verdient man durch seinen Job nicht nur Geld, sondern findet darin auch eine gewisse Erfüllung. Ist man hingegen unterfordert oder gelangweilt, geht man einer eintönigen Arbeit nach oder ist man am Job desinteressiert, ist das für die Psyche ebenso schlimm wie permanente Überforderung, Stress oder dauernde Überstunden.

Boreout international

In der Geschäftswelt in Japan gibt es für die Betroffenen einen eigenen Ausdruck. Unkündbare Arbeitnehmer, für die es keine Aufgaben mehr gibt, werden hier als Fenstergucker (jap. „madogiwa zoku“) oder Fenster-Hocker bezeichnet. Wichtig ist, dass man zwischen Faulheit und Boreout unterscheidet: Wer faul ist, möchte nicht arbeiten. Wer vom Boreout betroffen ist, kann oder darf nicht arbeiten.

Langfristig kann die permanente Unterforderung zu Depressionen führen, da man eigentlich mehr leisten möchte, als man arbeitsbedingt kann oder darf. Ein Gefühl der Nutzlosigkeit oder des verschenkten Potenzials geht oft damit einher. Als Folge tendieren viele Betroffene dazu, sich eigene Verhaltensmuster anzueignen, um überhaupt etwas tun zu können oder es für die Kollegen nach Arbeit aussehen zu lassen. Zu den typischen Handlungen zählen beispielsweise sinnfreie Tätigkeiten, die nach Arbeit aussehen, wie das ständig wiederholte Sortieren von Akten oder das Spitzen ohnehin gespitzter Bleistifte. Statt zu arbeiten verfällt man in einen gewissen Aktionismus. Dies führt allerdings nicht zu dem gewünschten Effekt. Teilweise suchen die Betroffenen so dringend nach einer sinnvollen Aufgabe, dass sie abends ebenso ausgelaugt sind wie wenn sie den ganzen Tag unter enormen Stress gestanden hätten.

Depressionen sind dabei sozusagen die letzte Station. Schon vorher ähneln die Symptome denen des Burnouts. Antriebslosigkeit, Schlafstörungen, Niedergeschlagenheit und fehlende Lebensfreude gehören zu den typischen Krankheitsbildern.

Soweit muss es nicht kommen. Wichtig ist, dass Sie sich und Ihren Job immer hinterfragen. Fühlen Sie sich unterfordert oder ist Ihre Arbeit zu eintönig, kann ein Gespräch mit dem Vorgesetzten helfen, den Arbeitsbereich zu erweitern oder mehr Verantwortung zu übernehmen. Ansonsten kann es helfen, die Arbeitszeit zu reduzieren. Dadurch verdienen Sie zwar etwas weniger Geld, Ihrer Psyche wird das aber zuträglich sein. Als letzte Konsequenz hilft nur noch die Kündigung. Aber rechtzeitig angesprochen ist dieser Schritt meistens nicht notwendig.

 

Dieser Beitrag stammt von und dem business & more-Team