Gemachtes Nest? - Vorteile und Nachteile einer Betriebsübernahme istockphoto.com/monkeybusinessimages
  • Marco Heibel

Gemachtes Nest? - Vorteile und Nachteile einer Betriebsübernahme

Wer sich selbständig machen möchte, muss nicht zwangsläufig bei Null anfangen. Gerade im Handwerk sind Betriebsübernahmen nicht unüblich. Business and More nennt die Vor- und Nachteile.

Laut Angaben der Handwerkskammer Baden-Württemberg wird jeder dritte Handwerksunternehmer in den nächsten zehn Jahren das Rentenalter erreichen. Für junge Meister bedeutet das eine gute Gelegenheit, einen laufenden Betrieb zu übernehmen. Nichtsdestotrotz sollte man eine Betriebsübernahme gut überdenken. Denn neben vielen Vorteilen hat eine solche Aktion auch Nachteile.

Vorteile einer Betriebsübernahme

Der größte Trumpf ist, dass Sie ein funktionierenden Betrieb übernehmen, inklusive dem Kundenstamm des alten Besitzers. Gerade zu Anfang werden viele Kunden dem Nachfolger Vertrauen schenken, bevor sie sich nach einem ganz anderen Handwerker umschauen. Ihre Aufgaben wird es „nur“ sein, das Vertrauen zu rechtfertigen und die Kunden zu halten.

Weiterhin übernehmen Sie im Idealfall ein eingespieltes Mitarbeiter-Team sowie die Räumlichkeiten des Alt-Meisters. Da dieser Sie auswählt, können Sie außerdem mit seiner Unterstützung in der schwierigen Anfangsphase rechnen. Schließlich möchte er sich nicht nachsagen lassen, den „Falschen“ als Nachfolger installiert zu haben. Deswegen wird er Ihnen vermutlich auch seine guten Kontakte zu Banken, Zulieferern oder Kooperationspartnern „vererben“. Gelingt es Ihnen, sich auf einen festen Kauf- oder Pachtpreis zu einigen, haben Sie zudem finanzielle Planungssicherheit.

Nachteile einer Betriebsübernahme

Das Unternehmen war vermutlich über Jahre auf den alten Chef ausgerichtet. Auch viele Angestellte haben womöglich ein enges Verhältnis zu Ihrem Vorgänger. Das kann den Einstieg erschweren, zumal sich nicht jeder etwas von einem (womöglich) jüngeren Chef sagen lassen möchte. Ferner können Sie nicht sicher sein, dass Sie auch bei den Kunden die volle Akzeptanz genießen. Doch das kann man nie vorher wissen.

Wovon Sie sich dagegen unbedingt ein Bild machen sollten, ist der Zustand des Betriebs und ggf. der Maschinen. Hat der alte Betriebseigner mit der Technik Schritt gehalten oder hat er im Wissen um seinen nahenden Ruhestand irgendwann Investitionen gescheut? Wenn das der Fall sein sollte, müssen Sie mit hohen Kosten rechnen, die über den Kauf bzw. die Pacht hinausgehen.

Außerdem sollten Sie klären, inwiefern Sie die alten Angestellten übernehmen müssen. Wer eigene Vorstellungen hat und diese auch durchbringen möchte, sollte vielleicht von einer Übernahme absehen.

Last but not least müssen Sie auch damit rechnen, dass Sie Altlasten Ihres Vorgängers, wie betriebsbedingte Steuern, Verbindlichkeiten oder Gewährleistungsansprüche „erben“. Daher sollten Sie vor der Übernahme möglichst viele Informationen über den Betrieb, die Marktlage und die Qualifikation der Angestellten einholen. Kunden, Lieferanten oder auch Konkurrenten können Ihnen sicherlich am besten Auskunft über den Betrieb erteilen – allerdings ist fraglich, ob sie dazu auch bereit sind. Und gerade ein Konkurrent wird Sie nicht unbefangen mit Informationen versorgen. Das sollten Sie immer im Hinterkopf haben. Vom „gemachten Nest“ kann also in den seltensten Fällen die Rede sein.

Dieser Beitrag stammt von und dem business & more-Team