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  • Marco Heibel

Wie arbeiten eigentlich Ratingangenturen?

Ob Standard & Poor's, Moody's oder Fitch – Ratingagenturen sind derzeit in aller Munde. Und zwar nicht im positiven Sinne. Indem Ratingagenturen ein Land nach dem anderen abwerten, verunsichern sie Bürger und Finanzmärkte. Doch was sind Ratingagenturen genau, und wie arbeiten sie?

Ratingagenturen sind gewinnorientierte, unabhängige Unternehmen, welche die Bonität von Staaten und Firmen bewerten. Mit ihrer Hilfe sollen Anleger ein fachkundiges Urteil über die Höhe der Wahrscheinlichkeit erhalten, dass sie ihr verliehenes Geld am Fälligkeitstag vollständig zurückerhalten.

 

Ratingagenturen vergeben ihre Bewertungen in Form von Buchstabenkombinationen. AAA steht für die beste Bewertung, sie bescheinigt dem Staat oder Unternehmen eine große Bonität und ein geringes Ausfallrisiko. D steht für Zahlungsunfähigkeit und markiert das schlechteste Rating.

 

Seit wann gibt es Ratingagenturen?

 

Bereits vor rund 150 Jahren bewertete Henry V. Poor die US-amerikanische Eisenbahngesellschaft. Ein systematisches Rating wurde jedoch erst 1909 von John Moody etabliert. In der Folge wuchs die Bedeutung der Agenturen im Vorfeld von großen finanziellen Transaktionen immer mehr.

 

Endgültig etabliert wurden Ratingagenturen im Jahr 1975. Damals setzte die US-Börsenaufsicht fest, dass Unternehmen sich von zwei Ratingagenturen bewerten lassen mussten, ehe sie für die amerikanische Börse zugelassen wurden. Auf Geheiß von oben durften ausschließlich Standard & Poor’s, Moody’s und Fitch diese Bewertungen vornehmen. So erklärt sich die bis heute andauernde Vormachtstellung dieser drei Agenturen.

 

Die Europäische Zentralbank (EZB) zieht neben diesen dreien noch den Dominion Bond Rating Service mit Sitz in Toronto/Kanada hinzu. In China beispielsweise haben auch einheimische Ratingagenturen einen hohen Stellenwert, die von Rest der Welt allerdings kaum anerkannt werden.

 

Wie verläuft der Ratingprozess?

 

Grundsätzlich erteilt ein Kreditnehmer, ein Kreditgeber oder ein Investor den Auftrag zur Erhebung eines Ratings. Der Auftrag besteht darin, die Bonität gegen Herausgabe veröffentlichter Informationen, aber auch auf Basis von Unternehmensinterna (z.B. Interviews mit Vorständen oder Großkunden) zu überprüfen und daraus eine Bewertung zu erstellen.

 

Diese wird zunächst von zwei Analysten abgegeben und abschließend von einem Rating-Komitee final überprüft. Anschließend erfährt der Auftraggeber das Resultat, mit seiner Zustimmung kann es öffentlich gemacht werden. Wurde ein Staat oder ein Unternehmen einmal bewertet, kommt es regelmäßig zu Updates der Bewertung, um sicherzustellen, dass das Rating der aktuellen Kreditwürdigkeit entspricht.

 

Konfliktherd Ratingagenturen

 

Es ist Unternehmensgeheimnis der Agenturen, welche Faktoren beim Ratingprozess berücksichtigt wurden und wie sie gewichtet wurden. Problematisch ist auch, dass Menschen dazu neigen, Informationen zurückzuhalten, zu verharmlosen, zu spät oder gar nicht zu veröffentlichen, die für sie einen wirtschaftlichen Nachteil zur Folge haben könnten. Deswegen ist es sehr wohl schon vorgekommen, dass Ratingagenturen sich trotz gewissenhafter Recherche in ihren Urteilen geirrt haben.

 

Weiterhin wird den Agenturen hin und wieder vorgeworfen, zu enge Beziehungen zu bestimmten Vorständen zu pflegen. Kritisch zu sehen ist ebenfalls, dass die Agenturen teilweise von ihren Auftraggebern engagiert und bezahlt werden. Der hierdurch entstehende Interessenkonflikt erhöht nicht immer die Glaubwürdigkeit eines Ratings.

 

Dennoch sind Ratingagenturen jederzeit dazu in der Lage, durch eine schlechte Bewertung Regierungen zu verunsichern und Finanzmärkte ins Wanken zu bringen.

Dieser Beitrag stammt von und dem business & more-Team