Ausgebrannt oder Depressiv – Unterschiede zwischen Burnout und Depression thinkstockphotos.de
  • Christian Riedel

Ausgebrannt oder Depressiv – Unterschiede zwischen Burnout und Depression

Burnout und Depressionen sind ein großes Problem der momentanen Geschäftswelt. Dabei unterscheiden viele nicht zwischen den beiden psychischen Problemen. Es gibt aber große Unterschiede sowohl in der Entstehung wie auch in der Therapie. Daher ist eine genaue Diagnose wichtig.
Wie der aktuelle Gesundheitsreport Deutschland 2012 der DKV ergeben hat, leidet fast jeder fünfte der etwas über 3.000 Befragten zumindest teilweise unter depressiven Verstimmungen. Stress, Hektik, Zeitmangel, Druck und Burnout sind die Hauptgründe für die psychischen Probleme. Tatsächlich gehört der Burnout, also das Gefühl ausgebrannt zu sein, zu den Faktoren, die zu einer Depression führen können. Auf keinen Fall darf man Burnout und Depression aber gleichsetzen.

Gemeinsamkeiten


Es gibt einige Gemeinsamkeiten zwischen Burnout und Depression. Dies ist auch der Grund, warum man beide psychischen Probleme auch häufig gleichsetzt. Beim Burnout fühlt man sich leer, ausgebrannt, hat keinen Antrieb und erschöpft. Auch Gefühlsschwankungen, Traurigkeit, Angst, Gereiztheit und sogar Aggressionen können Anzeichen für einen Burnout sein. All diese Symptome können auch auf eine Depression hindeuten. Auch die Entstehung kann sich ähneln. Zumindest kann das Gefühl, überarbeitet oder überfordert zu sein, auf Dauer beide Probleme auslösen.

Hier enden aber die Gemeinsamkeiten. Vor allem bei der Therapie ist Vorsicht geboten. Denn was beim Burnout helfen kann, kann die Symptome bei der Depression deutlich verschlimmern.

Unterschiede


Wichtig ist zum einen, dass der Burnout, für den es momentan noch nicht einmal eine konkrete Diagnose gibt, auf den Job beschränkt ist. Nach dem Feierabend verschwindet bei den meisten das schlechte Gefühl wieder und taucht erst am nächsten Morgen nach dem Aufwachen wieder auf. Die Depression dagegen betrifft alle Lebenslagen. Auch am Wochenende oder in den Ferien bleiben die Symptome bestehen, solange man nichts dagegen unternimmt. Im Gegensatz zum Burnout kann man die Depression klar definieren und diagnostizieren. Zudem gibt es entsprechende Medikamente und Therapien, mit denen die Probleme behandelt werden können. Beim Burnout gibt es das nicht.

Gerade bei der Therapie ist es wichtig, die Probleme vorher genau zu diagnostizieren. Denn behandelt man eine Depression wie einen Burnout, können sich die Probleme noch verschlimmern statt sich zu verbessern.

Behandlung


Burnout entsteht in der Regel durch das Gefühl, überarbeitet zu sein. In der Regel hilft es daher, ein paar Tage richtig auszuschlafen, im Job etwas kürzer zu treten, in den Urlaub zu fahren oder sein Arbeitspensum etwas zu reduzieren. Je nach der Schwere des Falls reichen einige Tage oder Wochen, bis man komplett wieder hergestellt ist. Bei einer Depression ist das genau das Gegenteil, was man bei einer erfolgreichen Therapie machen sollte.

Zeit für Zweifel


Denn bei der Depression sind Selbstzweifel und eine Leere im Kopf ständige Begleiter. Nimmt man sich nun eine Auszeit, kommt sich der Betroffene schnell nutzlos vor und hat mehr Zeit, über sich und seine Probleme nachzudenken. Daher können sich die Probleme durch eine Auszeit noch verschlimmern. Auch ein Urlaub kann hier nicht helfen. Zum einen hat man auch hier mehr Zeit, über die persönlich unbefriedigende Situation nachzudenken. Zum anderen hat man ein schlechtes Gewissen, wenn man die schlechten Gefühle mit in die Ferien nimmt. Zum dritten kann das ungewohnte Umfeld die Psyche noch mehr belasten, da man im Urlaub mit sich nichts Sinnvolles anzufangen weiß. Auch langes Schlafen führt bei den meisten Betroffenen zu einer Verstärkung der Depression.

Im Gegensatz dazu kann Schlafentzug bei einer Depression sogar helfen und wird bei einigen Therapien eingesetzt. Im Gegensatz zum Burnout, bei dem die Therapie auch selbst durchgeführt werden kann, braucht es bei einer Depression eine ärztliche Hilfe. Mit einem Psychologen und antidepressiv wirkenden Medikamenten sind die Erfolgsaussichten gut. Ohne professionelle Hilfe findet der Betroffene meistens keinen Ausweg aus seiner Situation. Daher ist es wichtig, genau zu überprüfen, ob man nun eine Depression hat oder ob es sich „nur“ um einen Burnout handelt. Doch auch dann ist es wichtig, sich eine Auszeit zu gönnen. Ansonsten kann aus dem relativ harmlosen Burnout schnell eine ausgewachsene Depression werden.
Dieser Beitrag stammt von und dem business & more-Team