Überversichert? – Welche Versicherungspolicen Sie sich sparen können istockphoto.com/BrianAJackson
  • Marco Heibel

Überversichert? – Welche Versicherungspolicen Sie sich sparen können

Von einer Überversicherung spricht man, wenn die Versicherungssumme höher ist als der Versicherungswert. Der Bund der Versicherten (BdV) unterstellt den Deutschen eine Vollkasko-Mentalität, die sie oft unnötige Versicherungen abschließen lässt. Lesen Sie hier, welche Policen Sie sich sparen können.

Knapp 60 Milliarden Euro geben die Deutschen jährlich für ihren Versicherungsschutz aus. Manche Versicherungen sind absolut sinnvoll, wie eine Private Haftpflichtversicherung oder eine Berufsunfähigkeitsversicherung. Andere sind sogar gesetzlich vorgeschrieben, wie die Krankenversicherung oder – sofern Sie ein zulassungspflichtiges Fahrzeug besitzen – die Kfz-Haftpflichtversicherung.

Viele Deutsche sind überversichert

Allerdings gönnen sich viele Deutsche auch den (unnötigen) Luxus vieler kleiner Spezialversicherungen, der zwar für sich alleine genommen auf den ersten Blick keine hohen Kosten verursachen, aber oft vergessen werden. Und dann wird es teuer. Wenn Sie nämlich eine Versicherung nicht rechtzeitig kündigen, verlängert sich diese jedes Mal aufs Neue um weitere 12 Monate. Dabei kann es vorkommen, dass Sie irgendwann mehr eingezahlt haben, als Ihr versichertes Gut überhaupt wert ist. Überversicherung kann aber auch eintreten, wenn Sie ein und dasselbe Risiko mit mehreren Versicherungen absichern.

Diese unnötigen bis unsinnigen Versicherungen machen laut dem Bund der Versicherten (BdV) knapp ein Drittel des gesamten jährlichen Versicherungsvolumens aus. Zum einen verkennen viele Kunden das Sparpotenzial, das kleinere Versicherungen bieten. Vor allem aber lassen sich laut BdV viele Deutsche vom Luxus der scheinbaren Sicherheit locken – vor allem dann, wenn die Versicherung scheinbar nichts kostet oder sogar noch an eine Beitragsrückgewähr gekoppelt ist.

Wo sind die Deutschen überversichert?

Das sind laut Bund der Versicherten die teuersten und überflüssigsten Versicherungen:

Die Sterbegeldversicherung ist eine geldzehrende Kapitallebensversicherung. Bei langer Laufzeit zahlt man häufig mehr ein als die Hinterbliebenen herausbekommen.

Eine Insassenunfallversicherung ist überflüssig, weil die KfZ-Haftpflichtversicherung des Unfallverursachers einspringt, wenn sich einer Ihrer Beifahrer verletzt.

Eine Hochzeits-Rücktrittskostenversicherung übernimmt Stornokosten, wenn die Hochzeitsfeier platzt. Allerdings gibt es hier Bedingungen: So tritt diese Versicherung nur dann voll in Kraft, wenn Braut oder Bräutigam erkranken. Bei weiteren unwahrscheinlichen Ausnahmefällen müssen Sie dagegen oft mit einer Selbstbeteiligung rechnen. Nicht ganz unwichtig: Gegen ein „Nein“ bei der Trauung sind Sie übrigens nicht versichert.

Auch eine Handyversicherung wird als überflüssig eingestuft. Schließlich werden Sie kaum am Hungertuch nagen, falls Sie Ihr Handy einmal verlieren sollten oder es Ihnen kaputt geht. Außerdem entschädigt sie nur den Zeitwert des Mobiltelefons.

Eine Reisegepäckversicherung zahlt nur dann, wenn Sie Ihren Koffer am Bahnhof oder Flughafen immer in der Hand hatten. Stellen Sie ihn aber und er wird Ihnen gestohlen, erhalten Sie nichts, weil Ihr Verhalten dann als grob fahrlässig ausgelegt wird. Kurzum: Geld wird es bei Verlust kaum zurückgeben. Hinzu kommt, dass Ihr Gepäck unter bestimmten Voraussetzungen ohnehin in der Hausratversicherung mitversichert ist.

Generelle Tipps gegen Überversicherung

Bevor Sie eine weitere Police abschließen, sollten Sie sich die Unterlagen Ihrer bisherigen Versicherungen anschauen und prüfen, ob die von Ihnen gewünschte Leistung nicht schon in einer bestehenden Versicherung inbegriffen ist. Weiterhin sollten Sie genau Buch führen über all Ihre Versicherungen und Ihre Einträge regelmäßig kontrollieren. So werden Sie eher aufmerksam, wenn Sie noch eine Versicherung haben, die sich nicht lohnt.

Der wichtigste Tipp ist aber, sich über die Prioritäten klar zu werden. Sichern Sie die größten Risiken immer zuerst ab. Eine Privathaftpflichtversicherung und eine Berufsunfähigkeitsversicherung können Existenzen retten, eine Brillen- oder eine Handyversicherung tun das nicht.

Dieser Beitrag stammt von und dem business & more-Team